Kleine Lebens- und Werteberatung
von Claus-Peter Peters
Kurz und bündig, besteht der Sinn des Lebens darin, seine Seele zu vervollkommnen. Ziel ist es, mit der Seele göttliche Aufnahme nach diesem Leben zu erreichen. Ob dies so sein wird, lässt sich vorab nur durch die Auflösung von Schlüsselerlebnissen in Erfahrung bringen. Dabei sind solche, sexueller Natur, von solchen in Zusammenhang mit Geburt und Tod zu unterscheiden (zu letzteren zählen teils wohl auch die Unfall- und Krankheitserlebnisse). Hintergrund hierfür sind verschiedene Ansätze in der Auflösung (Täter-Opfer-Wechsel bei sexuellen Erlebnissen oder aber Lohn-Strafe-Fragen bei solchen im Zusammenhang mit Geburt und Tod), die aufgelöst zu sehr voneinander abweichenden Erkenntnissen führen können.
Diesem (zumindest in der Mystik) erwünschten, weil mit tiefen Einsichten in das eigene Leben, verbundenen Weg des Erkennens steht häufig noch ein Fehlen der dafür notwendigen Schlüsselerlebnisse entgegen. Was aber ist zu tun, wenn noch kein solcher Prozess ansteht, weil auch noch keine „Knotenpunkte des Lebens“, wie diese Erlebnisse auch genannt werden, vorhanden sind?
Hier sind grundsätzlich fünf Verhaltensmaßregeln zu beherzigen:
- Sich auf das Leben einlassen
Da ohne Erlebnisse, die betroffen machten, keine wirklich tiefe Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte möglich ist, muss sich ein Mensch zunächst einmal auf das Leben wirklich einlassen. Er muss es riskieren, selbst verletzt zu werden und andersherum den Mut aufbringen, andere zu verletzen. Das ist weit weniger krass gemeint, als es sich anhören mag. Denn es geht nicht darum, sich gegenseitig Stress zu machen, sich sogar verletzende Schlüsselerlebnisse beizubringen, sondern darum, wachen Herzens und wachen Kopfes das Leben an sich heran zu lassen. Dabei lässt es sich eben nicht vermeiden, dem Gegenüber auch einmal (seelische) Schmerzen zuzufügen, schon weil die Menschen und deren aus Geschichte resultierende Auffassungen verschieden sind. Zudem kann ein Erlebnis für den einen ein Schlüsselerlebnis sein, für den anderen aber nicht. Laotse sprach deshalb im achtzigsten Spruch auch davon, den Tod (damit ebenso das Leben) schwer zu nehmen. Aber bitteschön: Überstürzen Sie nichts, es kommt alles zu seiner Zeit.
Mit dem Zulassen von persönlicher Betroffenheit in seinen Gefühlen geht einher, für sein Handeln, Dulden und/oder Unterlassen persönlich Verantwortung zu übernehmen. Im Hinterkopf sollte der Gedanke stehen, als Seele am Ende des Lebens vor der himmlischen Richterin zu stehen und ein Urteil entweder über die göttliche Aufnahme oder aber über eine nochmalige Bewährungszeit (zumindest noch ein Leben) auf der Erde zu erhalten. Wären alle Menschen von einer solchen Vorstellung beseelt, würde der Verzeihung auch wieder eine weit größere Bedeutung zukommen. Denn niemand würde sich mehr ernsthaft darauf berufen können, dass Jesus allein am Kreuze starb, unser aller Schuld auf sich zu nehmen. Harmonischeres Miteinander statt oberflächliches Nebeneinander dürfte damit eine nicht unerwünschte Nebenfolge sein.
„Du wirst gebeten, die Erde so zu hinterlassen, wie Du sie als wiedergeborene Seele vorfinden möchtest.“ Damit ist schon einiges über den erwünschten Umgang mit unserer Erde ausgesagt. Hier gilt insbesondere: Es möge der Natur nur soviel entnommen werden, wie ihr andererseits wieder zurückgegeben wird. Wer einfach nur verbraucht und zerstört, nimmt unter Umständen schon von dem, was seine eigene Seele für ein nochmaliges Leben auf der Erde benötigt. Unsere Seelen sind nämlich an diese Kreisläufe hier gebunden, sonst wäre das Leben keine göttliche Prüfung der Seele.
Falls Ihnen der Kreislaufgedanke fremd erscheinen mag, hilft Ihnen vielleicht eine Überlegung zum ewigen Kreislauf des Wassers weiter, welcher beispielhaft viele Kreisläufe in der Natur abbildet: Wasser kann als Dampf, als Flüssigkeit oder in gefrorener Form vorkommen. In einem geschlossenen Kreislauf gelangt etwa Eisschmelze zum Äquator, verdunstet dort, um bei uns als Regen niederzugehen. Der bei uns als Bach aus der Erde austretende, einstige Niederschlag könnte von einem Tier getrunken, ausgeschieden, von Mensch oder Natur gereinigt, noch einmal den Weg durch einen Körper antreten. Danach könnte das Wasser wieder über einen Fluss ins Meer gelangen, dort verdunsten und anschließend - aber den Kreislauf damit keinesfalls beendend - als Schnee fallend, erneut einen Gletscher bilden. Ähnlich verhält es sich mit dem Kohlenstoff, Bestandteil organischer wie anorganischer Verbindungen, der etwa aus einem Lebewesen nach dessen Ableben freigesetzt in neue Verbindungen eingebaut werden kann. Auf diese Weise, aber nicht allein damit, ist die gesamte Biomasse des Planeten ständigem Werden und Vergehen unterworfen und es unterliegt alles Leben einem ständigen Wechsel der Erscheinungsformen. Mangels Austauschs mit anderen Welten bleibt allerdings alles Leben dabei an diesen Planeten gebunden. Eigentlich wäre es da nur zu logisch, wenn nicht nur die Bestandteile des Menschen auf Ewig an irdische Erscheinungsformen gebunden blieben, sondern gleichfalls alle Seelen. Doch gibt Gott unseren Lichtgestalten die Chance, Austritt aus den irdischen Kreisläufen zu erreichen. Dazu muss der Geburtenkreislauf im Seelenkreislauf durchbrochen werden, denn nur dieser ist unmittelbar göttlicher Natur. Und dies geschieht mittels eines sich selbst erkennenden Leidensprozesses.
- Sich auf das Leiden einlassen
Aus dem Vorgesagten ergibt sich, dass Sie sich deshalb auf den Prozess des Erkennens einlassen sollten, wenn er sich ankündigt. Denn einerseits entlastet er Ihre Seele, führt also bereits in diesem Leben zu mehr seelischer Freiheit, damit auch zu mehr Lebensqualität, andererseits bietet er bei richtiger Auflösung die Möglichkeit, den (erwünschten) Austritt aus dem Geburtenkreislauf zu erreichen.
Zur Möglichkeit, darüber hinaus noch zum Dichter oder Denker, zum großen Musiker oder zum Gestalter zu werden, sei Gotthold Ephraim Lessing zitiert: „Der aus Büchern erworbene Reichtum fremder Erfahrung heißt Gelehrsamkeit, eigene Erfahrung ist Weisheit“.“ Mit solchermaßen aus dem eigenen Leben geschöpfter Kraft gelingen Ihnen dann auch Werke, die ihre Mitmenschen begeistern. Und damit Ihnen dieser Weg gelingen möge, biete ich das Buch: „Die Reise in die Seele“ zu Ihrer Hilfestellung an.
Trotz des Wunsches, zu bewegen, mag sich dennoch niemand überfordern oder mehr wollen, als an Weisheit von ihm aus dem eigenen Leben herausgearbeitet werden kann. Die alten Chinesen brachten dies in einem Sprichwort auf den Punkt: „Man kann auf dem richtigen Weg sein, aber nicht der richtige Mensch für den Weg.“
Dennoch sollten Sie sich von diesen Worten nicht abgeschreckt fühlen. Setzen Sie sich eigene Ziele und erkunden Sie für sich ihre Möglichkeiten. Übrigens setzte ich es mir in diesem Sinne mit Selbst- und Gottvertrauen zur Aufgabe, erstens die Abtreibung und zweitens die Religionen aufzulösen. Beides ist mir gelungen. Wenn also jemand in einem solchen Prozess für sich den Eindruck gewinnt, er könne noch mehr erreichen, dann soll er es versuchen. Ziehen wir hierzu einen Ausspruch Otto Gillens heran: „Wozu wir bereit sind, das wird uns bereitet.“
Wenn sich Ihnen aber so gar nichts darbietet, was Sie noch nach vorne bringen könnte, bliebe Ihnen immerhin noch ein Ehrenamt oder soziales Engagement, Gott für sich einzunehmen, um es im nächsten Leben besser zu haben. Dann könnte es mit einer guten Sozialleistung schon das kommende Erdendasein sein, das gerade Ihre Seele als eine besondere Persönlichkeit sieht und Ihnen deren Vervollkommnung gestattet.
· Exkurs: Beten, Sakrale Bauwerke
Bekannt ist Ihnen bisher die Hinwendung zu Gott mutmaßlich nur in der Form, vorgegebene Gebete sprechend. Dabei werden jedoch Texte wie etwa das Vaterunser meist gehirn- und gefühllos heruntergeleiert. Mit einiger Inbrunst vorgetragene Gebete sind deshalb meist frei formuliert, wenn auch in der religiösen Praxis eher die Ausnahme. Verwundern darf es Sie daher nicht, wenn ein einheitsbreiiges „Blablabla“ Gott nicht erreicht. Ein jeder von uns hörte wohl als Adressat einer solchen „Ansprache“ bei so viel Oberflächlichkeit und Einfalt eher weg statt hin.
Eine weitere interessante Frage wird oft mit dem Ort aufgeworfen, wohin das Gebet zu richten ist. Dabei richtet der Gläubige sein Augenmerk üblicherweise auf den Himmel über seinem Kopf. Damit aber könnte er – Kugelgestalt der Erde sei Dank – genau in die Gott entgegen gesetzte Richtung schauen, vorausgesetzt natürlich, er suchte Gott in ihrer Person. Sähe er dagegen Gott als etwas unpersönlich Absolutes in Allem und berücksichtigte er den göttlichen Ursprung der eigenen Seele, gäbe er dem frei formulierten Gebet in Selbstversenkung den Vorzug. Denn schließlich lässt sich Gott nur in sich selbst finden.
Eine sich anschließende Frage ist damit die nach der Zukunft religiöser Bauwerke, für die sich Menschen (unsere Seelen in früheren Existenzen) teils über Jahrhunderte hinweg abgemüht haben. Kirchen, Klöster, Moscheen und Tempel sind Kulturerbe und deshalb schützenswert. Kulturhistorisch bedeutende sollten daher solange es möglich ist, in ihrer Form erhalten werden. Doch selbst wenn irgendwann alles aufgegeben werden musste, sollte sakrale Kunst als Teil der Menschheitsgeschichte museal erfahrbar bleiben. Eine Sondernutzung wäre im Übrigen für Klöster denkbar, doch nicht um Menschen für einige Zeit religiös zu unterweisen, sondern als Orte des Rückzugs in den Zeiten des erkennenden Leidens.