Freie Mystik / Religionen
von Claus-Peter Peters
Unlängst wurde mir angetragen, auf einem Veranstaltungs-Forum Interessierten die Freie Mystik als Angebot neben Christentum, Judentum, Islam, Buddhismus, Schamanismus und Okkultismus vorzustellen. Man bat mich, etwa amerikanische Spielfilmszenen vorzustellen und hierzu Erläuterungen zu geben. Das ist natürlich schwierig, wollte ich jedoch auf mich nehmen, da es tatsächlich Hinweise auf mystische Grundinhalte gibt, die in diesen Filmen eingewoben sind. (Aktuell etwa „Avatar“ mit dem Baum der Mutter Erde). Im weiteren Gespräch jedoch wurden mir immer weitere Knebel auferlegt, so dass ich schließlich mit Hinweis auf das Ziel der Freien Mystik, Menschen zu Stiftern ihrer eigenen Religion zu machen, ablehnen musste. Dazu erlaubte ich mir den Hinweis, dass ich es zudem nicht zulassen würde, dass Menschen in meiner Gegenwart belogen und betrogen werden. Dies hatte zur Folge, dass nun tatsächlich keinerlei Basis für eine solche Teilnahme mehr vorhanden war. Zurück blieb bei mir noch für einen Moment die Idee, die Veranstaltung aus dem Publikum heraus aufzurollen. Doch nahm ich hiervon Abstand. Zu meinen Gedanken:
Alle Religionen gehen mehr oder weniger auf die fünf Elemente Mystik (inneres Erleben), Schamanentum (äußeres Erleben mittels Seelenreise), Okkultismus (Befragung von Geistern, ohne selbst "den Hintern zu bewegen"), philosophische (Fort-) Entwicklung oder aber auf priesterliche Riten zurück. Das in dem Diskussions-Forum vorgestellte "Angebot" bestand nach meinen Informationen aus „Vertretern“ von zwei der fünf Grundströmungen unmittelbar, nämlich einer Schamanin (so sie denn keine Selbstbetrügerin war) sowie einem Spiritisten. Daneben nahmen Angehörige (ohne eigene Anschauungen) von drei mystischen Lehren an der Runde teil, nämlich Judentum, Islam und Buddhismus. Weiter im Programm war natürlich das Christentum, welches zwar auf der mystischen Lehre des alten Testaments aufbaut, dann jedoch eine philosophisch gedeutete schamanische Seelenreise zum weiteren Inhalt hat. Einen wirklichen Mystiker wie mich gab es auf der Veranstaltung damit nicht.
Doch zum Teufel auch, was will man schließlich in einem Forum über Religionen und Spiritualität mit jemandem, der den Mut hatte, sich selbst zu begegnen und der über eigene Gotteserfahrung(en) verfügt? Ohnehin glaubt man einem Pfaffen mehr, der sich vorgeblich von Gott zur Kirche hin berufen fühlt, als einem Mystiker und damit tatsächlichen „Gottesarbeiter“. Auch jede in Jesus verliebte Nonne (völlig meschugge!) darf ungestraft behaupten, sie hätte von dem humpelnden, längst toten Schamanen einen „Ruf empfangen“. Das klingt nicht nur abstrus, sondern bringt im Jenseits jedes Huhn zum Gackern.
Aber es hätte mir natürlich von vornherein klar sein müssen, dass eine katholische Religionslehrerin in der Gesprächsleitung kein Interesse an freier Mystik haben kann. Schließlich liefe sie dabei Gefahr, ihre eigene Position hinterfragen zu müssen. In diesem Sinne sind die eingeladenen Vertreter mystischer Religionsauffassungen auch nur als „mystische Feigenblätter“ zu verstehen. Denn betrachtet man sich die drei mystischen Lehren im Einzelnen, ist keine wirkliche Vertretung der (grundsätzlich religionsfreien) Mystik zu erkennen. So gründet das Judentum auf die brauchbaren Eingebungen eines mutmaßlich niederen oder eventuell auch mittleren Meisters Mose, der Islam dann jedoch auf nicht mehr nachvollziehbare Eingebungen des niederen Meisters Mohammed. Der Buddhismus schließlich entzieht sich dem tieferen Verständnis wegen der philosophischen Fortentwicklung eines zu persönlichen Erkenntnisprozesses seines Stifters und mittleren Meisters Buddha. (Wer hat sich schließlich schon in tantrischen Liebesspielen mit schauderhaftesten Weibern selbst gequält, um göttliche Erkenntnis zu erfahren?)
Sie mögen bereits an dieser kurzen Darstellung erkennen, dass es ohne Struktur der Glaubensauffassungen, ohne den ordnenden Verstand des freien Mystikers keine brauchbare Diskussion geben konnte (und – wie ich hörte – dann selbstredend auch nicht gab). Da schon keine der drei mystischen Religionen über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken vermag, gab es naturgemäß "Hauen und Stechen" unter deren Anhängern. Alleine mein Auftritt, als der eines über eigene Erkenntnisse verfügenden Mystikers (und Rätselmeisters), hätte zwar einerseits Ordnung bringen, andererseits aber auch ein noch größeren Chaos bewirken können, hätte ich etwa über Wege und daraus resultierende unterschiedliche Lehren referiert. Schließlich wären damit den übrigen Vertretern die Grenzen ihrer Religionslehren aufgezeigt worden. Spinnen wir einmal das Szenario des möglichen Riesen-Eklats weiter. Man hätte mir - vorausgesetzt ich wäre überhaupt noch weiter zu Wort gekommen und nicht gleich vor die Türe gesetzt worden - womöglich zu unterstellen versucht, dass ich nur um der eigenen Auffassung willen, mithilfe eines logisch klingenden Systems, fremde Anschauungen diskreditierte. Denn wer mag schon zugeben, dass es neben Wegen zur göttlichen Selbsterkenntnis, ob nach diesem Leben göttliche Aufnahme zu erwarten sei, auch Möglichkeiten existieren, herauszufinden, ob Gott Mann oder Frau ist. Dass des Weiteren zu erfahren sein könnte, wie die Religionsstifter ihre Lehren schufen und wie alle deren Erkenntnisse im Gesamtzusammenhang zu bewerten seien. Wenn ich daraufhin zur Untermauerung meiner Thesen insbesondere Laotse, aber auch Hafis, Rumi, Dante, Goethe, Nietzsche, Hesse und noch einige andere ins Feld geführt hätte, hätte mir wohl kaum noch jemand zuhören wollen.
Vielleicht hätte ich mich nach hartem Ringen noch mit dem Buddhisten auf die Notwendigkeit des Auflösens eigener Erlebnisse oder aber mit der Schamanin (wenn diese überhaupt eine wirkliche und keine Selbstbetrügerin war) diesbezüglich auf das Bewegen des eigenen Hinterns verständigen können. Zum Thema eigener Erfahrungswelt hätte es allenfalls eine respektvolle Unterhaltung mit eben der Schamanin geben können, wobei dann allerdings der Rest der Halle mangels Einsichten in Leidensprozesse so gut wie nichts mehr verstanden hätte. Gegen ein: "Mein Prophet ist aber der Größte" wäre dann wirklich keine sachliche Diskussion mehr möglich gewesen. Deshalb verzichtete ich nach reiflicher Überlegung darauf, der Ausladung zum Trotz, aus dem Publikum heraus den Advocatus Diaboli zu mimen. Damit haben zwar die Zuschauer und Zuhörer eine "große verbale Keilerei" verpasst, ich aber habe meine Nerven geschont.
Jedenfalls haben mich die angestellten Überlegungen ob dieser Ein- und Wiederausladung dazu veranlasst, hier und heute an dieser Stelle höchst vorsorglich darum zu bitten, mich fürderhin erst gar mehr nicht zu solchen „Religions“-Foren einladen zu wollen. Schließlich hat die Freie Mystik in einem so genannten "Dialog der Religionen" auch nichts verloren, denn sie ist ja keine Glaubensauffassung. Zudem wäre in meinem fortgeschrittenen Alter eine Auseinandersetzung mit bornierten und verblendeten religiösen Eiferern einfach zu nervenaufreibend. Überdies ist es nicht meine Aufgabe, jemanden zu bekehren. Meine Aufgabe besteht allein darin, freie Mystik anzubieten. Danach darf sich ein Jeder selbst überzeugen, sich bekehren und dabei ein mystischer Meister werden, wenn er denn möchte. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen den Mut, sich auf sich selbst einzulassen und zum Schöpfer Ihrer eigenen Religion zu werden.
Anknüpfend an diese Episode möchte ich Ihnen, die möglicherweise in diesem Forum der Freien Mystik bereits etwas mehr an Informationen für sich eingeholt haben, noch einen Ausspruch Goethes aus „Zahme Xenien“ mit auf den Weg geben: "Glaubt nicht, dass ich fasele oder dichte, geht hin und findet eine andere Gestalt. Es ist die ganze Kirchengeschichte, Mischmasch von Irrtum und Gewalt." Und wenn ich ergänzen darf, weil Goethe mutmaßlich nur einen Einblick in die mitteleuropäische Geschichte der Glaubensstreitigkeiten hatte: „Es ist die ganze Religionsgeschichte ein Mischmasch von Irrtum und Gewalt.“ Soweit übrigens Goethe meinerseits an anderer Stelle bereits fälschlicherweise mit „Religionsgeschichte“ zitiert wurde, sei mir dies aufgrund eigener diesbezüglicher Anschauungen nachgesehen. Keineswegs wollte ich ihm die Worte im Munde umdrehen. Dennoch sei er zum Schluss noch einmal ergänzend zum Gottesbild oder zur Gottesnatur zitiert: „Die Natur verbirgt Gott! Aber nicht jedem!“ („Maxime und Reflexionen“, Hamburger Ausgabe, Band 12)
P.S.: Noch einige Worte zur Berufung: Als ich 15 war, wandte ich mich aufgrund eines geschenkten Lexikons ohne einen herausragenden Vertreter des Namens „Peters“ unmittelbar an Gott und wünschte mir Beistand, dass mein Name eines Tages in allen Lexika dieser Erde bis an das Ende aller Tage stehen möge. Mit 16 erhielt ich „Die Sage vom versunkenen Schloss“ erzählt und löste diese erstmals auf. Ich begriff, dass die Sage die Aussage enthält, dass Gott belohne und bestrafe und dass Gott eine Frau sei. Aufschreiben sollte ich die Lösung aber nicht, weil ich diese ohnehin noch schreiben würde (?), – so der Satz, der mir auf einmal im Kopfe war. Als ich 17 war, erlebte ich während einer Theateraufführung ein spontanes Schamanisieren, bei dem ich – sehr diszipliniert – mit der Seele wanderte. Als ich 21 oder 22 war, durchlitt ich einen ersten Bewusstwerdungsprozess um meine Kindheits-Schlüsselerlebnisse, jedoch ohne Auflösung und legte diese Erlebnisse für mich als „Meine Jugenderlebnisse“ (quasi „NLP“) erst einmal ab. Danach zeigte mir Gott-Frau-Torso (die Auflösung der Sage geht ja um ein sexuelles Schlüsselerlebnis) mein Buch, das mich völlig faszinierte und bestätigte mir auf Nachfrage, dass das alles von mir sei. Als ich erwachte und sofort loslegen wollte, fiel mir nichts ein, womit ich hätte beginnen können. – Was ich damit erklären möchte: Zu einer Berufung gehört zunächst die Bereitschaft, für Gott arbeiten zu wollen. Es gehört des Weiteren eine an den Himmel gerichtete Erklärung dazu. Darüber hinaus müssen „Tests bestanden“ werden, die dem Adepten von Gott auferlegt sind. Und wenn eines Tages genügend unverarbeitete Lebenserfahrung gesammelt wurde, gibt es erstens tatsächlich dann eine göttliche Ansprache (sofern man sich erneut mit der Bitte um Hilfe an Gott wendet) und zweitens eine „Schamanenkrankheit“, eine körperliche Erkrankung zumeist des Unterleibs ohne klinische Symptome, darüber die Seele zum auflösenden Leidensprozess zu erweichen. Das ist BERUFUNG !!! Alles Andere ist Selbst- und Fremdbetrug. Es glaubt doch niemand, dass Gott einen Menschen zum Dienst in der Kirche beruft und damit zulässt, dass der so genannte Berufene sich fett macht und die Mitmenschen um ihr Seelenheil bescheißt!
Als ich übrigens an dem Buch „Grundstrukturen der Religionen“ schrieb, träumte ich, mit Gott in meiner Begleitung unterwegs zu sein. Eine Kirche mochte sie aber nicht betreten, weil sie noch nie in einer Kirche gewesen sei. Nach erster Irritation wurde mir klar, dass sie selbstverständlich in keiner christlichen Kirche und erst recht in keiner Moschee zu Hause sein kann. In letzterer müsste sie sogar als „Mensch zweiter Klasse“ in einem kleinen, angrenzenden Raum Platz nehmen, während die Männer zu Mohammeds Abdullah-Allah „Vater im Himmel“ beten!
P.P.S.: Kürzlich traf ich einen ehemaligen Abi-Mitschüler wieder, „den der Ruf ereilt habe“ und der deswegen evangelischer Pastor geworden sei. Im Laufe des Gesprächs erlaubte ich mir, ihm zwei etwas unbequemere Fragen zu stellen, nichts Bösartiges oder Verfängliches. Tatsächlich waren die Fragen so banal, dass ich sie gleich wieder vergessen habe. Auf die erste Frage erhielt ich noch eine Antwort, die zweite quittierte er lapidar mit „Arschloch“!? Völlig befremdet beendete ich sofort das „Gespräch“. Da darf einem solchen „Körpersorger in eigenen Diensten“ auch nicht der Ansatz eines möglichen, kritischen Untertones zu Ohren kommen, sofort reagiert er auf das Empfindlichste getroffen. Meine Herrschaften, wollt Ihr Euch tatsächlich weiter von solchen Strauchdieben ausplündern lassen, die Euch Märchen erzählen, damit sie nicht selbst arbeiten müssen? Ich gebe Euch einen guten Rat, wenn ihr auf der Suche zu Euch selbst seid: Stellt Euch als Robinson Crusoe vor. Dann müsst Ihr an dem einsamsten Ort der Welt – ohne schriftliche Anleitung – ganz auf Euch allein gestellt, Euren Weg zu Euch selbst und zu Gott finden können. Wenn Ihr also schon „Die Reise in die Seele“ nicht lesen mögt, so lasst um Euer persönliches Seelenheil willen bloß Bücher wie „Die Bibel“ oder „Der Koran“ mit dem Kahn absaufen, der Euch Schiffbrüchige an die Insel gespült hat. Die machen Euch, nicht allein jenen „Selbst- und Fremdbetrügern in Christi Namen“, nur die Birne weich!