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Geschichte im Fokus 2011

Geschichte im Fokus

Seelenentwicklung mit Märchen und Sagen

Neuerscheinung 2011
Paperback Softcover, 433 Seiten, 40 Grafiken, 15 davon in Farbe

Leseprobe: Geschichte im Fokus
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Grundstrukturen der Religionen

Zwischen Mystik und Schamanentum

Neuerscheinung 2011
Paperback Softcover, 433 Seiten, 9 farbige und 5 s/w-Grafiken

Leseprobe: Grundstrukturen der Religionen
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Die Reise in die Seele

Seelische Selbstheilung und Seelenentwicklung

Überarbeitete und erweiterte Ausgabe als eBook und Paperback erhältlich.

433 Seiten und 20 Abbildungen.

Leseprobe: Die Reise in die Seele

Lesen Sie auch den Back Cover Text

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Informationen bieten Ihnen zudem die Texte:
"Reise..." und Ziele sowie Kraft und Stärke

Wissenswertes bietet zudem: Das fiktive Interview zur Reise in die Seele
oder Die Presse- und Leserinformation zu Die Reise in die Seele

Leserbrief im epoc Magazin des Spektrum Verlages

Lesen Sie meinen am 8.8.2011 im epoc Magazin des Spectrum Verlages veröffentlichten Leserbrief .
Unter dem Titel "Wahrheit und Fiktion" entwerfe ich dort in aller zu Gebote stehenden Kürze einen gangbaren Weg an den Islam und den Koran quellenkritisch heranzutreten. Hier geht es zum Text: www.spektrumverlag.de/artikel/1118333

Neue Texte:

Freie Mystik/ Religionen
Nur die Freie Mystik schafft Ordnung, sowie zur Berufung.

Mystik, Philosophie / Religion?
Die wohl größte Hürde in der Akzeptanz der „freien Mystik“ resultiert aus der Angst...

Brief an die Pharisäer
Beziehungen zwischen Erlebnissen, Erkenntnissen, Kulturschaffen, Religionen und Gottesbildern.

Mystik und Darwinismus
Warum der Darwinismus gar nicht Gottlos ist.

Totalausbrennung kontra Burnout
Warum der Burnout nichts mit Seelenbrand gemein hat.

Mystik, Geschichte und Poiltik
Zu Geschichte und Politik sowie Hilfestellung durch die Mystik.

Mystik und Neurowissenschaften
Welche Wissenschaft führt, Hirnforschung oder Philosophie?

Kleine Lebens-/Werteberatung
Einige Empfehlungen aus mystischer Sicht, das Leben anzugehen.

Der Diskos von Phaistos
Mystischer Lösungsansatz für eines der ältesten Rätsel der Menschheitsgeschichte.

Der Eid des Hippokrates
Ist der Text noch zeitgemäß? Der Versuch einer Neudefinition.

Mystik und Literatur
Wie Mystik Literatur und Lehren befruchtete.

Mystik Literaturliste
Literaturempfehlungen zur freien Mystik

Mystik und westliche Philosophie
Der "Vatermord" des Platon und die "Sokratische Wende".

Mystik und String
Gib es eine Verbindung zwischen Mystik und Naturwissenschaften?

Fiktives Interview zu „Die Reise in die Seele“

Fiktives Interview zu „Die Reise in die Seele“

von Claus-Peter Peters

Das hier veröffentlichte Interview entstand im Jahre 2004 zur Information der Presse über die damals aktuellen Bücher des Verfassers. Es wurde Anfang des Jahres 2005 in der Zeitschrift „Esotera“ abgedruckt und war unverändert auf der claus-peter-peters.de bis zur Ablösung durch die Forumsseite zu finden. Zu Ihrer besseren Information habe ich den damaligen Text schonend bearbeitet und um neue Einsichten erweitert, denn manches einst Spekulative ist für mich heute Gewissheit.

Herr Peters, Sie beschäftigen sich in „Die Reise in die Seele“  sowie in den „Grundstrukturen der Religionen“ (damals hießen die aktuellen Werke übrigens: „Die Mystik“, „Göttliche Erkenntnis“ bzw. „Mein Weg zu Göttlicher Erkenntnis“) mit Schlüsselerlebnissen sowie mit Religionen. Bitte erläutern Sie uns Ihren Denkansatz.

Um die Entwicklung zu den Erkenntnissen aufzuzeigen, muss ich etwas ausholen: Eines Tages stellte ich in meinem Leben eine nicht unerhebliche Unfreiheit fest. Jegliche Unbeschwertheit, insbesondere auf Frauen zuzugehen, war dahin. Die anschließende Suche in meiner Vergangenheit, die Gründe hierfür auszumachen, ließ mich die Eckpunkte meines Lebens entdecken, so genannte Schlüsselerlebnisse. Ich begriff, dass ich an diesen Erlebnissen arbeiten musste, weil sie mir in der Erinnerung noch einmal seelische Schmerzen bereiteten. Erneut fand ich mich nämlich gefühlt in den Situationen wieder, in denen ich diese Begebenheiten erlebte. In einem erneuten Durchdenken und vor allem Durchleiden der Erlebnisse gelang es mir schließlich, mich selbst in ihnen zu begreifen. Wie Hesse es im Steppenwolf beschreibt, erkannte ich, dass es solche Begebenheiten sind, die erst zu vertiefter Selbsterkenntnis befähigen.

Weil ich mich in dieser Rückbetrachtung meines Lebens fast stets in einer Opferrolle gesehen hatte, wandte ich mich anschließend an Gott mit der Frage: „Warum tatest Du mir dieses beschissene Leben an?“ Diese Frage führte mich dann zu vertieften Einsichten über mein Leben, so dass ich mich mit meiner Vergangenheit versöhnen konnte („Göttliche Selbsterkenntnis“). Zudem gelangte ich, dank eines freiwilligen weiteren Leidens mit eigenen Erlebnissen zur Hilfe für eine Frau, darüber hinaus noch zu „Göttlicher Erkenntnis“ (nämlich Gott = Frau/Mann/Liebe).

Mit diesen Ergebnissen war mein Ansatz hinsichtlich der Religionsstifter nun folgender: Ich unterstellte einem Religionsstifter, dass er ernsthaft um (Selbst-) Erkenntnis bis hin zu Göttlicher Erkenntnis bemüht war. Dann versuchte ich, sein Wissen als ein Produkt seines Strebens aufzufassen, seine Schlüsselerlebnisse aufzulösen. Zudem versuchte ich bei unvollständigen Lehren zu ergründen, warum der Stifter nicht zu vergleichbar umfassender Erkenntnis gelangte.

Die weitere Entwicklung hin zu einer Religion stellte sich dann ohnehin als lediglich eine dogmatische Fortschreibung dieser Erkenntnisse dar, entworfen und getragen von ihrem Religionsstifter nacheifernden Menschen, die sich jedoch nie um eigene Erkenntnisse bemühten. Grund hierfür wird gewesen sein, dass diesen Menschen die Person des Stifters ihrer Religion als derart herausragend und beispielhaft vorgestellt wurde, dass sie sich nie ernsthaft selbst auf die Suche zu Gott begaben.

Können sie uns für fehlendes Streben nach eigenen Erkenntnissen ein anschauliches Beispiel nennen?

Nicht ganz treffend, was sein Bemühen um Erkenntnisse anbelangt, jedoch was die Folgen der theologischen Umdeutung einer schamanischen Seelenreise zum Kreuzestod angeht, ist das Beispiel des Jesus. In unserem christlichen Kulturkreis wird uns Jesus als der gesandte Gottessohn vorgestellt. Seine Worte werden als Gottesworte ausgelegt, obwohl sich die Forschung heute darüber einig ist, dass Jesus mit Berufung von 12 Jüngern lediglich einen politischen Führungsanspruch erhob. Zudem füllte er überkommene jüdische Weisheiten in seinen Gleichnissen mit neuem Leben. Er war also ein sehr irdischer Führer, keineswegs ein die Schuld der Welt auf sich nehmender Gott, den der Apostel Paulus aus ihm machte. Wegen seines so genannten Kreuzestods, inzwischen unstreitig erkannt als eine schamanische Seelenreise, wird seine Aufforderung, ihm nachzufolgen, dann in körperlicher Hinsicht missverstanden. Was er in der Neuinterpretation jüdischer Mystik jedoch gemeint haben dürfte, ist, sein Leben zu akzeptieren und seinen Weg zu Gott zu finden. Doch aufgrund der durch Paulus erfolgten Fortentwicklung seiner Lebensgeschichte hin zu einer Religion, mit unter anderem einem System des Schulderlasses durch Buße und Beten (Jesus soll ja für uns alle am Kreuz gestorben sein soll, um die Schuld der Welt auf sich zu nehmen), bestand für die Anhänger des Christentums nie die Notwendigkeit, sich tatsächlich selbst auf die Suche zu Gott zu begeben. Wenn man so möchte, hat die Religion es damit also verhindert, dass Menschen aus freier Hinwendung Gott gesucht haben.

Die stark rückläufigen Besucherzahlen unserer Kirchen zeigen eine offenbar schwindende Akzeptanz der Gläubigen in diese kirchliche Doktrin, dagegen geht von Mohammed noch heutzutage eine große Anziehungskraft aus. Was fasziniert die Menschen an ihm und warum radikalisieren sich Teile seiner Anhängerschaft?

Eine sehr weit gefächerte Frage, beginnen wir daher erst einmal mit seiner Lehre. Hier sei zunächst festgehalten, dass es weder von Jesus noch von Mohammed eigenen Schriften gibt, so dass man sich mittels der Berichte über ihr Leben sowie die überlieferten Worte Zugang zu ihnen verschaffen muss. Anders jedoch als Jesus, der einen körperlichen Leidensprozess durchlebte und mit der Seele reiste, hat Mohammed einen seelischen Leidensprozess (um Schlüsselerlebnisse) durchlitten, selbst wenn er zuweilen durstend in einer Höhle körperliche Qualen ertrug, um zusätzliche Visionen zu erhalten. Mohammed ist damit, wenn man so möchte, dem Jesus bereits einen Entwicklungsschritt voraus.

Dass Mohammed um Schlüsselerlebnisse litt, zeigt uns seine Lehre auf. Diese fußt nämlich ganz wesentlich auf der Aussage, dass der ihm folgende Gläubige nach seinem Leben bei Beachtung gewisser Regeln göttliche Güte und Gnade sowie zudem göttliche Aufnahme erfahren könne. Mohammed hat hier (ganz ähnlich: Buddha) seine – eigentlich ganz höchst persönliche eigene – Selbsterkenntnis auf die Anforderungen des Lebens an alle Menschen übertragen. Weil ihm darüber hinaus andere Mystiker unbekannt waren, kam er nach Beratung mit seiner Ehefrau mit ihr überein, dass ihm ein besonderer göttlicher Zuspruch zuteil geworden wäre. Er allein sei deshalb auserkoren, mittels frei geschöpfter eigener Erkenntnisse zum göttlichen Führer der Menschheit in das Himmelreich zu werden. Anders formuliert: Mohammed war sich im Kreise seiner Mitmenschen seiner Sache so sicher, dass er nachfolgend eine Rechtsordnung „erfand“, die es seinen Anhängern – ohne selbst zu leiden – ermöglichen sollte, göttliche Aufnahme zu erfahren. Dass er es gut meinte und angesichts seiner ungebildeten Mitmenschen über den Wert seiner Erkenntnisse irrte, damit gleich dem Paulus seine Anhänger von eigenen Erkenntnissen abschnitt, sei nicht nur der Vollständigkeit wegen erwähnt.

Damit zum Inhalt seiner Lehre: Die Einsicht, bei Beachtung gewisser Regeln göttliche Aufnahme erwarten zu dürfen, setzt einen Leidensprozess um zumindest ein Schlüsselerlebnis voraus. An dessen Ende muss dann so etwas wie göttliche Güte und Gnade sowie die Selbsterkenntnis um göttliche Aufnahme stehen. Damit spiegelt seine Lehre ein (göttliches) Urteil wider, um das Mohammed Gott anging. Es muss Mohammed somit um Lohn und Strafe gegangen sein, weil sich auch der Koran im Wesentlichen mit eben diesen Themen beschäftigt.

Weiteres Indiz eines seelischen Leidensprozesses sind die vielen fabulierenden Wiederholungen im Koran. Aus eigener Erinnerung ist mir noch bewusst, wie unendlich mühsam es war, mich durch den Prozess hindurch zu arbeiten. Andererseits dürfte sich darin auch die körperliche Verstärkung eines künstlich verlängerten seelischen Leidens- und Reifeprozesses widerspiegeln, um eben Stoff für die von ihm entworfene Rechtsordnung zu erhalten. Mohammed hat sich nämlich intensiv mit fremdem Leid beschäftigt und dabei körperliche Qualen als „Produktionsmittel“ zu weiterer Erkenntnis zu nutzen versucht, was jedoch ohne persönliche innere Anteilnahme in den Erlebnissen unfruchtbar ist. Denn nur eigenes Erleben lässt sich im Leidensprozess in Weisheit verwandeln. Daneben floss jüdisches und christliches Gedankengut mit in seine Lehre ein, die er auf seinen vielen Reisen kennen lernen konnte.

Neben fabulierender Wiederholungen fallen überdies Angaben über seine Fruchtbarkeit ins Auge. So soll der Prophet den Samen für dreißig Männer in sich getragen habe. Kennzeichen eines befreienden Leidensprozesses ist auch die übersteigerte Lust nach beschränkender Unfreiheit (mir selbst nicht unbekannt aufgrund eigener Erfahrungen, wenn auch nicht ausgelebt). Wenn Mohammed also zu sexueller Befreiung gelangte, weist dies ebenfalls auf einen seelischen Leidensprozess hin. Dies könnte zudem durchaus noch ein Hinweis auf ein bisher unbekanntes sexuelles Schlüsselerlebnis sein. Dagegen wird man als Hintergrund der von ihm entworfenen Rechtsordnung ein Tötungsdelikt annehmen müssen. Einzig denkbar wäre hier übrigens eine Tötung aus Notwehr. Denn Mohammed wird erfahren haben, dass er nicht bestraft, sondern wegen seines Leidens göttliche Güte und Gnade und somit göttliche Aufnahme erwarten durfte.

Wenn ich an dieser Stelle zusammenfassen darf, wird Mohammed also um eine Tötung aus Notwehr gelitten und anschließend den Prozess künstlich für den Entwurf einer Gesellschaftsordnung verlängert haben. Liegt darin seine Faszination?

Ja! Mohammed war in gewisser Weise ein Vorbild, weil er über seine ureigensten Interessen hinaus etwas für seine Mitmenschen bewegen wollte, lassen wir seine ungezügelte sexuelle Gier einmal außen vor. Das haben die Menschen seiner Zeit erkannt und ihn auf den Propheten-Thron gehoben, der ihm nach seiner Ansicht und seiner Gattin Auffassung zustand. Es ruht nämlich bereits verborgen in vielen Menschen die Einsicht in die Notwendigkeit eines Leidens um Erkenntnisse. Da viele aber noch nicht reif sind für einen solchen eigenen Erkenntnisprozess, wurde ihnen Mohammed zur Leitfigur.

Getrübt wird sein Bild heute aber durch seine mangelnde Selbstdisziplin in sexueller Hinsicht sowie die damit einhergehende Diskriminierung der Frau. Nehmen wir dazu das Fehlen eigener Schriften, das Fehlen des Gottesurteils wie der Beschreibung der Ausgangssituation in seiner Lehre, die insgesamt unsichere Quellenlage, weiter die Überarbeitung des Korans von zu vermutend mit Leidensprozessen nicht vertrauten Wissenschaftlern, bleibt sein wesentlicher Verdienst seine kulturhistorische Leistung um eine gemeinsame arabische Sprache.

Dass ihm angeblich heute so genannte Gotteskrieger in einem so genannten heiligen Krieg nachfolgen, hätte der Mann, der sich in dieser Weise um seine Mitmenschen bemühte, mutmaßlich nie gutgeheißen. Hier nutzen verblendete religiöse Führer wie politische Ränkeschmiede die unsichere Quellenlage des Korans, ihre Ziele unter Missachtung von Menschenwürde und Menschenrechten, selbst auf Kosten von Toten, durchzusetzen. Und diejenigen, die sich von solch verblendeten Führern bedrängt, dazu bereit finden, einen „Märtyrertod“ zu sterben, gelangen nicht ins Himmelreich, wie es ihnen das tatsächliche Gottesurteil ihres Propheten offenbaren würde: Denn nur „wer in Notwehr tötet und sich an Gott zum Empfang eines Gottesurteils wendet, darf auf göttliche Güte und Gnade und damit auch auf göttliche Aufnahme hoffen.“

So aber bleibt ein solcher, nicht rein seelischer, sondern in erster Linie körperlicher „Märtyrertod“ in der Kürze der Zeit bis zum Eintritt des Todes mangels Möglichkeiten der Verarbeitung eigener Lebenserfahrung, ohne die Auflösung der eigenen Schlüsselerlebnisse, völlig sinnlos. Manchmal wird es sogar völlig absurd: Menschen etwa, die die Christen bekämpfen und dabei als Gotteskrieger angeblich Mohammed nachfolgen wollen, leiden nicht wie er einen seelischen Leidensprozess, sondern folgen Jesus durch einen körperlichen Leidensprozess, dazu noch ohne Aussicht auf eigene Erkenntnis und damit ohne Aussicht auf göttliche Aufnahme.

Sie sprachen vorhin von sexueller Befreiung und dass Sie sich nicht der Gier hingaben. Was also geschah dann mit Mohammed?

Mohammed blieb in seinem Leidensprozess verhaftet, einem Prozess, den er ja überdies noch – mittels wohl Dehydrierung – künstlich verlängerte, um „Input“ für das Leiden um eine Gesellschaftsordnung zu erlangen. Damit wird sein Leidensprozess, so gut er das gemeint haben wird, als ein weitgehend nutzloses Martyrium erst mit seinem Tod beendet gewesen sein.

Gab es andere Religionsstifter, die ähnlich Mohammed ihren Leidensweg ebenso wenig zu einem fruchtbaren Ende brachten?

Wohl ja und nein! Zum einen gab es Schamanen wie Jesus, die bereits aus strukturellen Gründen ihren Leidensprozess nicht erfolgreich beendeten. Schließlich ist göttliche Aufnahme nur einem sich Gott zuwendenden Mystiker möglich, jemandem, der um Erkenntnis leidet, nicht aber demjenigen, der „mit seiner Seele stiften geht“ und Geister um Erkenntnis bittet. Zum anderen sind natürlich heutzutage nicht mehr alle „Stifter“ der Religionen bekannt, in denen man etwa gemeinsam an der Erforschung des richtigen Weges arbeitete, wie beispielsweise in der Religion des alten Ägypten. Auch die Ausgrabungen in Göbekli Tepe, am ältesten Tempel der Menschheit weisen im Übrigen auf gemeinsame Anstrengungen von Mystikern und Schamanen hin. Da mag es sein, dass die Diskussion um den richtigen Weg, der sich etwa durch das gesamte altägyptische Totenbuch zieht, es verhinderte, dass einem Mystiker der große Durchbruch gelang. Und Echnatons großer Wurf eines Eingottglaubens, mutmaßlich wohl durch Nofretete initiiert, musste leider zurückgenommen werden.

Was ist mit Buddha? War er ein Mystiker oder Schamane und hat er seinen Prozess zu einem guten Ende gebracht?

Ähnlich wie Hesse es in seinem Buch Siddartha darstellt, gehe ich hinsichtlich des historischen Buddha davon aus, dass dieser Mystiker war und er seinen Weg des Erkennens auch vollständig abschloss. Besehen wir uns hierzu einmal seine Lehre genauer, weist zunächst das Fehlen der Demut darauf hin, dass Buddha eine tiefe Demütigung zum Anlass nahm, an sich zu arbeiten. Weil er aber wohl keinesfalls seinen Erkenntnisprozess ohne entsprechenden „Input“ begonnen haben wird, darf von einer sexuellen Demütigung ausgegangen werden. Schließlich gibt es, außer der erzwungenen Abtreibung, für die Buddha aus biologischen Gründen nicht in Betracht kommt, kein Schlüsselerlebnis in Zusammenhang mit dem Tod, in dem ein Opfer gedemütigt wird, es aber zwecks Auflösung seiner Lebensgeschichte den Tod überlebt. Zudem weist seine Forderung nach dem Beenden des Leids auf eine solche Demütigung hin, die überdies selbst verschuldet gewesen sein muss. Darüber hinaus spricht der Umstand, dass er Gott nicht wahrnahm, für den Opferprozess, denn das Opfer muss im auflösenden Prozess von der Opfer- auf die Täterseite wechseln, darf jedoch als Täter Gott nicht schauen.

Darüber hinaus ergeben sich weitere Hinweise auf die sexuelle Erniedrigung aus seinen Überlegungen zu den Himmeln wie zum Verlöschen der Seele. Diese Gedanken entspringen nämlich Träumen des auflösenden Leidensprozesses um sexuelle Schlüsselerlebnisse und sind noch heute bei Menschen anzutreffen, die sich mit einem solchen Erlebnis gegen die sexuelle Erniedrigung (etwa Vergewaltigung, sexuelle Kindesmisshandlung) zu beschäftigen haben. An anderer Stelle sprach ich deshalb einmal vom „tantrischen Liebesprinzen“, also einem Mann, der das tantrische Liebesspiel suchte, um Gott zu entdecken, jedoch nicht Gott sondern lediglich seine Unfreiheit ausmachen konnte und daran seinen Erkenntnisprozess knüpfte.

 

Was ist mit den Chinesen, etwa mit Laotse oder Konfuzius?

Laotse, dem die Autorenschaft des Tao-te-king zugeschrieben wird, war Mystiker und – nimmt man seine Einteilung in verschiedene Meisterschaftsstufen – ganz offenbar ein Rätselmeister. Denn Laotse war der erste, der hinter das göttliche Belohnungs- und Bestrafungssystem blickte. Ganz am Rande eingeworfen, dürfte es im Übrigen die gemeinsame Wurzel in der Mystik von Buddhismus und Taoismus gewesen sein, warum sich in China nach Verlust der Kenntnis um die eigene mystische Tradition beide Strömungen soweit aneinander annäherten, dass sie miteinander verschmolzen.

Der oft als Zeitgenosse (lassen wir den Gelehrtenstreit darum dahinstehen) des Laotse gehandelte Konfuzius wird dagegen Schamane oder schamanisch inspirierter Philosoph gewesen sein. Auch der später für die chinesische Staatskirche wichtige Chu-Hsi war als Neo-Konfuzianer ein Schamane. Der Unterschied zwischen Mystik und Schamanentum, um es einmal zu erläutern, ergibt sich aus dem Leidensprozess: Während sich der Mystiker des männlichen Teils seiner Seele entledigt und den weiblichen Teil in seinem Körper entwickelt, verbleibt der männliche Teil der Seele (Vitalseele) im Körper des Schamamen, während der weibliche Teil (Freiseele) an mytische Orten reist. Je nachdem also, ob sich ein Religionsstifter im Leidensprozess für den weiblichen oder den männlichen Seelenteil entschied, entwickelte er sich in der Folge zu einem Mystiker oder einem Schamanen. Während Mystiker allerdings Ihren Weg zu Gott zurückfinden, weil ihre Seele geheilt wird, bleiben Schamanen im Zyklus von Tod und Wiedergeburt verhaftet. Sehr schön hat dies Chu-Hsi dargestellt, der erst nur die Freiseele zum Himmel aufsteigen sieht, während die Vitalseele noch eine Weile zusammengeballt am Ort ihres vergangenen Lebens zu verbleiben hat. Dort ist sie noch für den Zuspruch, zum Beispiel der Kinder des Verstorbenen, zugänglich, ehe auch sie später zum Himmel auffahren kann. Andere Schamanen sahen im Übrigen diese männliche Seele mit dem Leib untergehen.   

Nicht alle Schamanen oder Mystiker sind Religionsstifter geworden. Wer ließe sich noch als Mystiker oder Schamane benennen?

Hesse war bereits erwähnt, er bezeichnete Goethe als seine Leitfigur, die ihn jedoch ebenfalls zu Widersprüchen herausforderte. Verständlich wird dies an dem Hin und Her des großen Dichters, welches sein „Faust“ offenbart. So ließ sich Goethe zunächst auf das Schamanentum ein, wie er selbst ausführt: „Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust, die eine will sich von der anderen trennen: Die eine hält in derber Liebeslust sich an die Welt mit klammernden Organen; die andere hebt gewaltsam sich vom Dust zu den Gefilden hoher Ahnen.“ Doch ist es die Einsicht in die Sinnlosigkeit des Reisens mit den Geistern, die ihn schließlich im Rahmen einer erneuten Initiation (zweiter Teil) auf die mystische Seite wechseln lässt. Wegen noch mancher späterer Irrwege im Leben (trotz der erlangten Weisheit) endet sein persönlicher Entwicklungsroman mit der Hoffnung, sich dadurch nicht den Eintritt in das Himmelreich wieder verdorben zu haben (wie man es wohl für Mohammed annehmen muss, der mutmaßlich die Ehe mit der erst zehnjährigen Aisha vollzogen haben dürfte). Goethe schloss den Faust deshalb mit dem flehentlichen Blick auf die Himmelsgöttin, bezeichnet als Jungfrau, Mutter, Königin, deren Ewig-Weibliches er als den Motor des Strebens einer jeden Seele ausmachte.

Welche Schlüsse ziehen Sie aus dem Vergleich der Erkenntnisse von Dichtern, Denkern und Religionsstifter mit Ihren eigenen Einsichten?

Zunächst ist herauszustellen, dass der Sinn des Lebens in der Vervollkommnung der Seele besteht, um aus dem Zyklus von Tod und Wiedergeburt heraus göttliche Aufnahme zu erfahren. Darin besteht vollständige Übereinstimmung mit den fernöstlichen Religionen. Dass dagegen in Christentum die Vorstellung zu finden ist, dass der Mensch nur einmal lebe, geht auf das fünfte Ökumenische Konzil zu Konstantinopel zurück. Im Jahre 553 nach Christus wurde von einer Gruppe Bischöfe eine entsprechende Weltsicht festgelegt, weil Jesus nur einmal gelebt habe, da er nur einmal am Kreuz gestorben sei. Eine aus heutiger Sicht sicher nicht mehr haltbare Begründung, die aber wohl niemand aus Praktikabilitätserwägungen heraus in Zweifel ziehen möchte. Es ist nämlich deutlich angenehmer, sich die Welt mit einem „Nach mir die Sintflut“ untertan zu machen, als eingebettet in einen Zyklus aus Tod und Wiedergeburt der Seele Verantwortung für das eigene Seelenheil zu übernehmen.

Jedenfalls darf man den Schluss ziehen, dass sich die fernöstlichen Religionen sehr viel mehr an den Erkenntnissen aus seelischen Leidensprozessen orientieren, als die des Westens. Darüber hinaus finden sich hinsichtlich der göttlichen Struktur der Trinität aus Frau/Mann/Liebe in fernöstlichen (ebenso teils in mittelamerikanischen) Religionen Entsprechungen, etwa im Hinduismus mit Brahma/Shiva/Vishnu oder aber in den drei Prinzipien des Chinesischen Universismus. Letztendlich greift die Mystik jedoch nicht die Religionen an, sondern nimmt alle Bestrebungen auf, die einen Weg zu Gott zum Inhalt haben. Jede Religion wird so zu einem Meilenstein auf dem Weg der Menschheit zu Gott zurück und damit ein Teil der Menschheitsgeschichte.

Nachgetragen sei, dass mit diesen Feststellungen zu den fernöstlichen Religionen keinesfalls die mystische Tradition des Westens abgewertet sei. Verweisen möchte ich an dieser Stelle besonders auf Peter Kingsleys „Die Traumfahrt des Parmenides – Die mystischen Wurzeln der westlichen Zivilisation“. Kingsley stellt hier dar, wie durch den „Vatermord“ des Platon an seinem geistigen Ziehvater Parmenides eine lange währende mystische Tradition des Westens beseitigt wurde und fordert zu einer Rückbesinnung auf unsere Wurzeln auf. Nehmen wir dazu Hesse, Goethe, Dante, Nietzsche oder Descartes heraus, würden wir uns damit zudem auf einem, noch immer auch im Westen heimischen Geläuf bewegen.

Wie haben Sie alle diese Erkenntnisse denn nun in Ihrem neuen Buch „Die Reise in die Seele“ für den Leser aufbereitet?

Das Buch beginnt, Laotse folgend, mit einer um zwei Stufen erweiterten Übersicht über die verschiedenen Grade mystischer Meisterschaft. Für die niedere Meisterschaft geht es dabei lediglich um den Empfang eines Gottesurteils, wie wir es etwa von Mohammed her kennen. Die mittlere Meisterschaft ersten Grades, hier wären als Beispiele Budhha oder der Mahavira, der Begründer des Jainismus zu nennen, hat sich um die Auflösung sexueller Schlüsselerlebnisse zu bemühen. Auf der zweiten Stufe mittlerer Meisterschaft geht es statt des Wechsels von der Opfer- auf die Täterseite um den Wechsel von der scheinbaren Täter- auf die Opferseite. Hesse oder Descartes werden typische Vertreter der mittleren Meisterschaft zweiten Grades sein. Die hohe Meisterschaft dann dürfte ausschließlich der Auflösung der Abtreibung oder aber einem Bündel verschiedenster Schlüsselerlebnisse vorbehalten sein. Gleiches gilt für die Rätselmeisterschaft, in der sich Männer mit der Auflösung der Abtreibung beschäftigten. Vertreter letztgenannter Stufe der Meisterschaft sind die Dichter und Denker Laotse, Dante, Goethe, Nietzsche sowie wohl der historisch kaum fassbare Hermes Trismegistos, der im alten Ägypten als Gott verehrte Thot, auf den die Religionsstiftende Sage um Isis und Osiris zurückgehen könnte. Sie schließlich beschreibt das Zerstückeln eines Körpers, das Wiederzusammenfügen sowie die (Neu-) Geburt als eine allegorische Geschichte um die männliche Seele für die fünfte Stufe der mystischen Meisterschaft, die Rätselmeisterschaft.

Mit solch schwierigen Dingen sollen sich Ihre Leser jetzt nun in „Die Reise in die Seele“ auseinandersetzen?

(Lacht) Ja und nein! Das Buch ist gedacht für alle, die sich mit der Entwicklung Ihrer Seele beschäftigen wollen. Reichlich beschrieben sind daher Schlüsselerlebnisse und es finden sich für (fast) alle Horizonte Texte. Ein weiterer wesentlicher Schwerpunkt ist der Seelenentscheid, damit sich der Suchende nicht im Schamanismus verlieren kann. Daneben werden Autoren untersucht und es wird Philosophisches ausgebreitet. Schließlich sollen möglichst viele Menschen Zugang zu mystischer Weisheit erlangen. Dafür kann man, wenn man möchte, entweder tief in das Buch eintauchen oder es aber zuweilen als Stütze des eigenen Erkenntnisprozesses gebrauchen. Eigene Weisheit muss man dann aus seinem eigenen Leben höchst selbst schöpfen.

Damit das Buch im Übrigen auch unverfilmbar ist, stehen Primär- und Sekundärtexte hübsch im Wechsel miteinander oder durchdringen sich zum Teil. Mein Sinnen ist es, dass selbst Bollywood oder Hollymünd es lesen müssen.

 

Herr Peters, haben Sie sich eigentlich vor Ihrem Leidensprozess mit Religionen beschäftigt?

Eher nein! Ich stamme ursprünglich aus einer römisch-katholischen Familie, die in meiner Jugendzeit noch streng kirchlich ausgerichtet war. Allerdings war mein Urgroßvater aufgrund eines Kriegserlebnisses ein starker Marienverehrer, was mich beeindruckte. Er hatte in Polen einen Druck der Muttergottes von Czenstochau gefunden, den er trocknete und nach Hause sandte. Der Rettung dieses Bildes schrieb er später in Frankreich eine weibliche innere Stimme zu, die ihm bedeutete, seinen Platz zu verlassen, obwohl er dort zu bleiben hatte. Er gehorchte der Stimme und unmittelbar später detonierte an diesem Platz, an dem er noch kurz zuvor gestanden hatte, eine Granate. Ich habe diese Geschichte öfter gehört und mich in meinem Leidensprozess daher an die Muttergottes gewandt, wenn ich meinen Weg zu verlieren glaubte.

Eine wirklich tiefgehende Beschäftigung mit Religionen erwuchs aber weder aus der Zugehörigkeit zur Kirche, noch aus der Geschichte meines Urgroßvaters. Natürlich habe ich irgendwann aus Interesse mit der Lektüre der Bibel und des Korans begonnen, jedoch beiden Werken nicht viel abgewinnen können. Auch gab es zwar durch den Religionsunterricht eine tiefere Einweisung in die Bibel, was mich aber ebenfalls nicht sonderlich angesprochen hat. So blieb über Jahre der Kontakt zur Religion auf Kirchenbesuche beschränkt, wobei in den letzten Jahren, in denen ich noch die Kirche besuchte, die Messfeier eher zu einem Treffpunkt Gleichgesinnter wurde, anschließend eine Gaststätte aufzusuchen.

Wollen Sie mit „Die Reise in die Seele“ nun eine neue Religion ins Leben rufen?

(Lacht erneut) Eindeutig nein! Mir geht es darum, die Schranken zwischen den Religionen zu überwinden und jedem Menschen die Freiheit einzuräumen, seinen eigenen Weg zu Gott zu finden. Jeder Mensch soll begreifen, dass sein Leben in einen Zyklus aus Tod und Wiedergeburt der Seele eingebettet ist und jeder die Aufgabe hat, irgendwann über die Auflösung von Schlüsselerlebnissen aus diesem Zyklus heraus seinen Weg zu sich selbst und zu Gott zu finden. Dabei kann ich mit meinen Büchern lediglich eine Hilfestellung bieten, sich nicht im Prozess zu verlieren. Mehr kann ich nicht und mehr möchte ich auch gar nicht. Für mich steht dabei die religiöse Befreiung des Menschen im Vordergrund, nicht aber die Schaffung einer neuen Religion. Wenn man mir die Leitung einer Religionsgemeinschaft antrüge, was ich gar nicht annähme, würde ich diese Position nutzen, die Gemeinschaft aufzulösen.

Vielen Dank für das Gespräch.         

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