Mystik und Darwinismus
von Claus-Peter Peters
Die Thesen Charles Darwins, des (Mit-) Begründers der Evolutionstheorie, dürften weithin bekannt sein: Durch Spezialisierung (Variationen) sowie aufgrund eines Durchsetzens der besser an die Umwelt Angepassten (natürliche Selektion) sei die heutige Vielfalt der Arten – und dies unter allen lebenden Organismen – entstanden. Selbst der Mensch stamme von tierischen Vorfahren, letztendlich von Einzellern ab, wobei in jüngerer Zeit von einem gemeinsamen, wenn auch ausgestorbenen Vorfahren zwischen Menschenaffen und Menschen ausgegangen wird. Unterdessen erhärten Knochenfunde wie Versteinerungen längst ausgestorbener Gattungen und Arten die Evolutionstheorie zusehends, sodass diesbezüglich von einer heutzutage weitgehend gesicherten wissenschaftlichen Erkenntnis ausgegangen werden darf.
Weil jedoch diese Ansicht radikal gegen den Schöpfungsmythos der Bibel zu sprechen schien, zog sich der erklärte Agnostiker Darwin damit den Zorn der Kirche zu. (Der Agnostizismus hält die metaphysische Frage nach Gott für unlösbar, verkennt aber hierbei, dass man in der Natur nicht finden kann, was man in sich selbst suchen muss.) Besieht man sich die Darwin entgegengebrachte Kritik allerdings genauer, sprechen seine Thesen nicht etwa aber gegen die Existenz Gottes, wie ihm entgegengehalten wurde, sondern gegen den Inhalt der religiösen Lehren (sowohl des Christentums wie des Islams). Zu Ihrem besseren Verständnis seien hier zunächst die Auffassungen der Mystik dargelegt. Anschließend sollen christliche wie islamische Vorstellungen von Welt auf den Prüfstand.
In der Mystik wird einhellig vertreten, der Mensch habe seine Seele im Zyklus von Tod und Wiedergeburt zu vervollkommnen, um Austritt aus dem Geburtenkreislauf (und damit letztendlich göttliche Aufnahme) zu erreichen. Anders formuliert, geht es über mehrere Existenzen hinweg um schließlich ein Erwachsen-Werden der Seele in einem Leidensprozess um Schlüsselerlebnisse. Solche Prozesse zeichnen sich im Übrigen erst nach einigen Vorstufen der Reifung der Seele in vorausgegangenen Leben oder Existenzen ab, womit sich zudem die Entwicklung der Arten (parallel zur Entwicklung der Seelen) als systemimmanent entpuppt. Soweit im Hinduismus daraus ein Kastenwesen entwickelt wurde, entspricht dieses allerdings keiner göttlichen Ordnung, sondern hier zeigt sich eine rein weltliche, und zwar eine solche, die Herrschaft durch Religion manifestiert.
Vorstellungen wie etwa ein solches Kastenwesen jedoch entspringen mystischen Leidensprozessen und zwar solchen um sexuelle Schlüsselerlebnisse. Im Anschluss an erlangte Selbsterkenntnis und göttliche Selbsterkenntnis (Austritt aus dem Geburtenkreislauf möglich?) erfährt der Suchende im Rahmen der so genannten mittleren Meisterschaft (nach Laotse, 41. Spruch) Einblicke in das Weltgeschehen sowie die Menschheit als Ganzes. Denn er fühlt sich einerseits als Zelle eines mystischen Menschen, der die gesamte menschliche Gattung umfasst, und er begreift zum anderen seine Existenz in einen Zyklus eingebettet, aus dem heraus es göttliche Aufnahme zu erlangen gilt. Eine solche vertiefte Einsicht zum Zyklus über mehrere Existenzen hinweg verarbeitete der im 13. Jahrhundert lebende persisch-türkische Dichter Jalal ad-Din (Dschelaladdin) Rumi zu einer Vorstellung der Vervollkommnung der Seele, die hier beispielhaft zitiert sei:
„Ich starb als Stein und ward daraus zur Pflanze,
ich starb als Pflanze, ward erhöht zum Tier.
Ich starb als Tier und ward ein Mensch. Nicht fürcht’ ich,
dass ich bei neuem Sterben je verlier’,
und auch als Mensch muss wiederum ich sterben,
ersteh’n als Engel; auch der bleib ich nicht.
Auch über’n Engel komme ich hinaus…
Den Engel werd’ ich also überwinden
Und etwas werden, was erschaut kein Blick.
Lass mich vergeh’n, o Herr! Das Nichtsein mahnt mich
Mit Orgelton: „Zu ihm kehren wir zurück.“
Sie mögen bereits daran erkennen, dass die Evolutionstheorie keine/n Mystiker/in wirklich überrascht haben wird, immerhin also Menschen, die als Gottsuchende und in der Regel Gottfindende nicht einmal in den Anfangsverdacht geraten würden, nichts mit Gott zu tun zu haben. Allerdings hat Kollege Rumi natürlich, was heutzutage keinem Forscher mehr zugestanden würde, keine Beweise seiner Auffassung unterbreitet. Rumi entwickelte seine Überlegungen allein aus Erfahrungen, Träumen und ihn betreffenden göttlichen Mitteilungen heraus sowie aus sich daran anknüpfenden Überlegungen. Mit den Thesen Darwins im Rücken hätte Rumi die Werdensgeschichte seiner Seele sicher präziser beschrieben. Zur Verdeutlichung: Seine Betrachtung war eine innere, aus dem Leidensprozess heraus, damit eine rein seelische, während die wissenschaftliche Betrachtung eine äußere ist. Am Rande notiert, gibt es übrigens ebenso Berichte über Vorexistenzen des historischen Buddha, der damit gleichfalls erst über mehrere Leben hinweg seine Seele vervollkommnte. Damit dürfte deutlich werden, dass in der Mystik seit jeher die Evolution in einer vergleichbaren Weise als stattgefunden angenommen wird, wie heutzutage von den Wissenschaftlern beschrieben. Betrachten wir uns des Weiteren hierzu die Zeiträume des Bestehens von Hinduismus und Buddhismus oder die Lebenszeit des Kollegen Rumi im 13. Jahrhundert, könnte man hinsichtlich der Evolutionstheorie für den Bereich der Mystik sogar von „Schnee von vorgestern“ sprechen.
Dies hat im Übrigen, bei sehr zurückhaltender Beurteilung, zur Folge, dass sich Gottes Eingriffe womöglich dennoch an zwei Stellen ausmachen ließen: Erstens, dem Übergang von Molekülketten zu ersten primitiven Lebensformen, und zweitens, der Vergrößerung des menschlichen Gehirns in der Übergangsphase vom Affenmenschvorläufer zur menschlichen Entwicklungslinie. Im ersten Fall wird die Notwendigkeit des Evolutionssprungs zum Leben nicht deutlich und im zweiten Fall ist nicht zu erkennen, aus welchem Grunde die Gehirne mit einem Male leistungsfähiger wurden, obwohl die Menschen noch ohne Sprache und mit einfachsten Werkzeugen unterwegs waren. Letzteres geschah dann möglicherweise (nach heutigem Erkenntnisstand) im Vorgriff auf künftig notwendige Anforderungen. Doch selbst wenn die evolutionären Gründe beider Entwicklungen eines Tages aufgedeckt würden, widerspräche nichts der mystischen Auffassung von sich über mehrere Existenzen hinweg entwickelnden Seelen, parallel eben zur Entwicklung der Arten. Wohl aber lässt sich damit die Annahme einer einmaligen seelischen Existenz, somit religiöses Gedankengut insbesondere des Christentums, wie gleich noch näher zu sehen sein wird, nicht länger halten.
Nachzutragen aus Sicht der Mystik wären selbstverständlich eine Vielzahl weiterer möglicher Eingriffe Gottes in das Dasein der Arten auf Erden. Soweit uns solche Ereignisse inzwischen bekannt geworden sind, wären etwa die Einschläge von Kometen zu nennen, die jeweils für das Ende einer Ära sorgten. Weit einfühlsamere Ereignisse müssen sogar göttlichem Wirken zugeschrieben werden: Zu denken ist besonders an den Auftritt der sich als „Mutter der Welt“ bezeichnenden „Maria von Guadalupe“ im Jahre 1531 in Mexiko. Ihr Erscheinen allein sorgte dafür, dass sich der gesamte mittel- und südamerikanische Subkontinent zum Katholizismus (und damit zur Erdmutter – bei den Inka „Pachamama“) bekehrte.
Zum Warum der Evolution schließlich bliebe anzufügen, dass es zumindest Gott zur Freude sein dürfte (alles andere wäre reine Spekulation), wenn sich eine Seele recht entwickelt. Im Umkehrschluss verdeutlicht dies, dass solche Seelen, die sich nicht recht entwickeln, in irgendeiner Form auf der Strecke bleiben werden. Logisch nachvollziehbar daher des Weiteren das göttliche Belohnungs- und Bestrafungssystem, welches sich in der Auflösung unterschiedlicher Schlüsselerlebnisse mit unterschiedlichen Ergebnissen zeigt: So etwa kann ein Täter Gott nicht schauen, empfängt aber einen Richtspruch. Deshalb auch kann ein Opfer eines sexuellen Übergriffs, das zur Lösung seines Schlüsselerlebnisses von der Opfer- auf die Täterseite zu wechseln hat, Gott nur als etwas Unpersönlich-Absolutes erfahren. Erst in der Auflösung von Schlüsselerlebnissen im Zusammenhang mit dem Tod wird Gottes ganze Natur offenbar als eine Trinität aus überwiegend Frau, aber auch Mann und Liebe. Doch sei hier nicht zu sehr in die Tiefe geschweift, wenden wir uns den angesprochenen religiösen Auffassungen zu:
Nach der biblischen Schöpfungsgeschichte, maßgebend für Judentum, Christentum und Islam, sei die Welt über mehrere Tage hinweg von Gott erschaffen worden, wobei bereits die Einsetzung von nacheinander Sonne, Tag/Nacht, Land/Wasser, Pflanzen, Fischen, Vögeln, Tieren und letztendlich Menschen vergröbert eine Art von Zeitaltern darstellt und heutige Erkenntnisse abbildet. Sie könnte damit mystischen Ursprungs sein, wobei der Mensch als letzter Schöpfungsakt nicht den Blick auf die übrigen Arten verstellt, denn diese entwickelten sich ebenfalls weiter und haben womöglich ihre ganz eigene göttliche Aufgabe. Die jedoch des Weiteren zu findende Vorstellung eines Tonklumpen und Rippenmodell behauchenden Gottvaters anstelle einer die Seelen gebärenden Erdmutter erhält nur vor dem Hintergrund männlicher Minderwertigkeitskomplexe einen Sinn und dürfte kaum mystischen Ursprungs sein. Hier offenbaren sich eher noch politische Überzeugungen, was im Übrigen gleich so für die christliche Weltanschauung gilt. Schon deshalb darf es nicht verwundern, dass sich nicht alle Menschen für die Glaubensbotschaft eines vor Gott alle Schuld der Welt abtragenden Messias begeistern konnten. Dies gilt erst recht für diejenigen, die den faulen Zauber seiner schamanischen Seelenreise zu durchschauen imstande waren. Denn nur um das Leiden abzukürzen, verließ die (Frei-) Seele des Jesus dessen Körper für drei Tage, um nach Aufreißen der Seele (letzter Schrei) und nachfolgender Spontan-Séance in den Körper zurückzukehren. Deshalb ist es insbesondere den Juden nicht zu verdenken, dass sie weiter am Alten Testament festhielten, denn dieses hat die Hinwendung zu Gott und damit Mystik zum Inhalt, während das neue Testament eine Hinwendung zum Weltlichen propagiert. Schließlich trug ja nach kirchlicher Lehre ein göttlicher Menschensohn vorgeblich die Opferrolle, darauf sich der Mensch die Welt ungestraft untertan machen darf.
Wenn ich Ihnen in diesem Zusammenhang den Rat geben dürfte: Tragen Sie niemals die christliche Lehre mit Inbrunst in einem Naturvolk vor, in dem es noch richtige Schamanen gibt. Selbst wenn Ihnen ein freundliches Lächeln geschenkt wird, hinter der Hand werden die Leute aus dem Lachen gar nicht mehr herauskommen und Sie stehen – ohne es vielleicht zu ahnen – wie ein blöder Depp da. Denn das Christentum soll den Mächtigen, und dies von Gott ungestraft, alle Freiheiten der Unterdrückung, der Ausbeutung und der Zerstörung der Natur einräumen, während das gemeine Volk dabei in die (Fernseh-) Röhre schaut. Nicht sehr viel besser sieht es im Übrigen für die kleinen Leute im Islam aus: Dort gelangte ein niederer Meister Namens Mohammed aufgrund lediglich eines empfangenen Gottesurteils zu der Auffassung, von Gott auserwählt und damit berufen zu sein, eine Rechtsordnung auf die Erde zu werfen. Diese sollte dann jedem, wenn er sich denn nur an diese Ordnung hielte, ohne seelische Entwicklung göttliche Aufnahme ermöglichen. Ein solcher Unsinn widerspricht natürlich mystischen Erkenntnissen schon mittlerer Meister (hier hat Rumi „den Schuss nicht gehört“) über Jahrtausende hinweg. Oder lassen wir zur Notwendigkeit seelischer Eigenentwicklung den Geheimrat Goethe zu Wort kommen, der die Sphinx (teils: Traumbild vor Pyramiden als Sinnbild bevorstehender göttlicher Aufnahme in auflösenden Leidensprozessen, damit wohl auch Vorbild für Pyramiden weltweit) sprechen lässt:
„Sphinx: Sprich nur dich selbst aus, wird schon Rätsel sein.
Versuch’ einmal dich innigst aufzulösen:
Dem frommen Manne nötig wie dem bösen.
Dem ein Plastron (Brustharnisch), asketisch zu rapieren,
Kumpan dem andern, Tolles zu vollführen,
und beides nur, um Zeus zu amüsieren.“
Ich mutmaße, Sie haben bereits manches hier Dargelegte wieder erkannt. Dennoch zum Text Goethes in Kürze: Über Selbsterkenntnis hinaus (die Betrachtung des Selbst von allen Seiten, das ist ein Um-Sich-Drehen und kein folkloristisches Drehen tanzender Derwische), ist das Trennen beider Seelenteile notwendig. Während der Schamane daraufhin mit der (Frei-) Seele reist und wieder zum Körper zurückkehrt (Fehler Goethes im ersten Teil des Faust), wird aus der Brust des Mystikers erst die männliche Seele oder Vitalseele herausgezogen und dieser die Substanz entnommen. Nach weiterer Entwicklung der weiblichen Seele oder Freiseele (Goethe: „dem Kumpan“) wird diese zudem noch im Körper des Mystikers ausgebrannt. Zweck des Unterfangens: Es gilt, Zeus (Gott ist eine Trinität aus Frau-Mann-Liebe, somit darf es auch Zeus als Göttervater sein) zu amüsieren.
Mit der dargestellten Notwendigkeit von persönlicher Entwicklung (insbesondere der Seele) mag Ihnen vor Augen geführt sein, dass es zwischen Evolutionstheorie und Mystik keinerlei Dissonanzen gibt, ja es solche geben könnte. So führten Darwins (eben gar nicht neue) Gedanken zunächst zwar von den Religionen fort, doch erfreulicherweise wieder einmal zu Gott hin. In der nun folgenden Zeit könnten Mystiker sogar aus ihren Erkenntnisprozessen heraus in der Hinwendung zu Gott, der Trinität aus Frau-Mann-Liebe mit Schwerpunkt auf der Weiblichkeit (was natürlich auch Goethe wusste), noch Fragen zu beantworten suchen, die die Wissenschaft bisher nicht beantworten konnte. Hierzu sowie zum „überwiegenden Geschlecht Gottes“ Goethe im Faust, zweiter Teil:
„Du! droben ewig unveraltete,
Dreinamig-Dreigestaltete,
Dich ruf’ ich an bei meines Volkes Weh,
Diana, Luna, Hekate!
Du Brust-erweiternde, im Tiefsten-sinnige,
Du ruhig-scheinende, gewaltsam-innige,
Eröffne deiner Schatten grausen Schlund,
(nämlich zur Aufnahme der Seele)
Die alte Macht sei ohne Zauber kund!“
Dass uns also alte Macht – ohne Zauberei (Schamanentum) – werde kund. Macht es nicht wirklich Sinn, sich in Zeiten eines dahin siechenden Planeten der Hilfe der Schöpferin zu bedienen, um für die noch viele Existenzen benötigenden Seelen die Erde aufzuräumen? Ergänzung hieße dann das Zauberwort, das Sie der kleinen Abhandlung hier denn auch entnehmen mögen. Zudem mag Ihnen deutlich geworden sein, warum die Kirche damals aufschrie. Weil mit Darwin nämlich mit einem Male mystisches Gedankengut in die schamanische Gedankenwelt einbrach und damit die Existenz der Kirche bedrängte. Im Übrigen steht des Weiteren zu befürchten, dass die Mullahs des Islam ebenfalls über soviel Freiheit ihrer Schüler, wohl sich nunmehr um das Seelenheil selbst bemühen zu müssen, doch daraus Erkenntnisse für die Welt zu schöpfen, wenig begeistert sein werden. Mit dem dargelegten Wissen jedoch haben wir es nunmehr in der Hand, entweder überkommene religiöse Vorstellungen aus Mitleid mit den Trägern der alten Unterdrückungsstrukturen am Leben zu erhalten oder aber persönlicher Freiheit, Menschenwürde und Menschenrechten zum Sieg zu verhelfen. Vielleicht darf ich Ihnen dazu verraten, dass ich es keinesfalls für den übelsten Sozialdarwinismus hielte, Menschen, die mich „um ihres fetten Wanstes willen“ belogen und betrogen haben, jetzo „in die Wüste zu schicken“.
Doch sei Ihrem Urteil nicht vorgegriffen, schließlich mögen Ihnen die hier vorgestellten Gedanken zu radikal, zu subversiv, zu nihilistisch oder gar zu anarchistisch erscheinen. Wie kann denn ein Mystiker es wagen, sich gegen die Autoritäten in den Religionen zu stellen? Ganz einfach! Er kann es, weil er durch die Hinwendung zu Gott zum Schöpfer seiner eigenen Religion geworden ist. In diesem Sinne sei gleich ein weiterer Frevler enttarnt, ein solcher, der im Angesicht seines auf dem Boden ausgestreckten männlichen Seelenkörpers ausrief: „Gott ist tot“. Schließlich wusste er, dass seine Seele von Gott geboren und damit göttlichen Ursprungs war. Ein wahrhafter Atheist und Nihilist sei er gewesen, der Mann, der Goethe im „Zarathustra“ oder den „Liedern des Prinzen Vogelfrei“ noch seinen Unmut entgegenschallen ließ, ihn erst auf die schamanische Fährte und damit in die Irre gelockt zu haben. Ein Mann der in „Die frommen Beppa“ zu berichten wusste, dass Gott die Weibchen liebe, die hübschen obendrein (die voll entwickelten Seelen nämlich) und der den Jüngern Darwins ins Stammbuch schrieb:
„Diese braven Engländer
Mittelmäßige Verständer
Nehmt ihr als ‚Philosophie’?
Darwin neben Goethe setzen
Heißt: die Majestät verletzen –
Majestatem genii!“
Sie wissen, von wem ich spreche? Die Rede ist natürlich von Friedrich Nietzsche, jenem völlig missverstandenen Philosophen, dessen Mystik so verborgen liegt. Er entzieht sich ob seines vielfachen und viele Schlüsselerlebnisse erfassenden Leidens schon dem Verständnis jedes niederen oder mittleren Meisters (nach Laotse) sowie erst recht dem eines Wissenschaftlers. Nietzsche war ob seiner tief greifenden Wahrheitssuche – Goethe folgend – ein Rätselmeister und als solcher gab er wie dieser seinen Lesern selber Rätsel auf. An dieser Stelle sei Ihnen ein solches mit dem Titel „Eis“ dargebracht (Denken Sie bitte an das Kinderratespiel „Woran denke ich?“, bei dem der Rätselsteller die an ihn gerichteten Fragen zum Subjekt mit „Eis, kalt, lau, warm oder heiß“ zu kommentieren hat):
„Ja! Mitunter mach’ ich Eis!
Nützlich ist Eis zum Verdauen!
Hättet ihr viel zu verdauen,
O wie liebtet ihr mein Eis!“
Nun also sind Sie aufgefordert, sich selbst um Ihr Seelenheil zu bemühen und ihre Lebenserinnerungen richtig zu verdauen. Denn um Ihre Seele zu entwickeln, um seelisch Erwachsen zu werden, müssen Sie Ihre Schlüsselerlebnisse aufspüren und in einem Leidensprozess in eigene Weisheit verwandeln. Ihnen hierzu das Wirken der großen Mutter näher zu bringen und darüber hinaus dem an Gottes Existenz zweifelnden Darwin zu antworten, sei zu guter letzt mit Laotse der große alte Meister der Mystik zitiert, der vor zweieinhalb Jahrtausenden auf dem Weg gen Westen, ins Exil, diktierte:
„Gebären und ernähren,
Gebären und nicht behalten,
Handeln und nicht darauf Wert legen,
Fördern und nicht beherrschen, –
Das ist die mystische Urkraft.“
Dass Sie nunmehr Ihre Freiheit finden und Ihre Seele entwickeln mögen, wünscht Ihnen als Rätselmeister oder (nach Laotse) als Hoher Meister und Mittlerer Meister
Claus-Peter Peters
(Langenfeld, den 1(18).1.2009)
P.S. Falls Ihnen im Moment noch eher der Sinn nach der Lösung fremder Rätsel ist, als sich um die Rätsel der eigenen Existenz zu bemühen, sei Ihnen Goethes „Das Märchen“ wärmstens empfohlen.