Totalausbrennung der Seele kontra Burnout-Syndrom
von Claus-Peter Peters
In vielen heutigen Gesellschaften, in denen die Grundwerte zunehmend in den Hintergrund treten, befällt immer mehr Menschen ein Gefühl, ausgebrannt zu sein. Davon sind jedoch nicht nur diejenigen betroffen, die sich im Wesentlichen an wirtschaftlichen und finanziellen Dingen orientieren, sondern auch vielfach Menschen, die in sozialen Berufen ihr Geld verdienen. Für viele Engagierte folgt auf enthusiastische Phasen (der Beruf erscheint zunächst als Berufung) erst die Stagnation, weil es nicht – oder nicht schnell genug – voran geht, dann die Frustration (die Sinnkrise – warum, wofür?), anschließend die Apathie (Lustlosigkeit) und am Ende der so genannte Burnout. Dabei ist das tiefe Loch aufgrund des scheinbar sinnentleerten Treibens nicht nur unter Berufstätigen, sondern gleich so unter Schülern, Hausfrauen, ja sogar unter Arbeitslosen und Rentnern bekannt. Sie alle glauben sich zunächst mit ihrem Leben ausgefüllt, erkennen dann aber die Kluft zwischen Wunsch oder Ziel sowie der rauen, wertelosen Wirklichkeit, und vermissen am Ende jeglichen Lebenssinn.
Dieser Burnout schließlich, so liest man, sei eine Vorstufe der Erschöpfungsdepression und damit selbstverständlich eine Krankheit, die es psycho-medizinisch zu behandeln gelte. Dabei könnte eine solche Krise durchaus, sinnvoll genutzt, zum Aufhänger werden, in sich selbst zu graben. Aufzufinden wären dann die wichtigsten Ereignisse des Lebens, die Schlüsselerlebnisse, um diese aufzulösen. Dazu allerdings bedürfte es zunächst einer anderen Einstellung zu sich selbst und zu seinem Leben. Man müsste nämlich dem eigenen Leben einen Sinn zubilligen und sich selbst die Fähigkeit, diesen Sinn für sich herauszufinden. Zudem müsste man sich die Existenz einer eigenen Seele eingestehen und – das ist für viele wohl das größte Hindernis – an Gott glauben.
Vielleicht darf ich Ihnen an dieser Stelle offenbaren, dass sich für mich der Prozess des Erkennens an einer ebensolchen Krise entzündete, ich darob aber nicht in psychiatrische Behandlung ging, sondern mich in meiner Not an Gott wendete. Und – unglaublich aber wahr – erhielt ich Antwort, erst nur eine einzige in Tagtraum-Bildern, später vielfältige Antworten in Träumen, weiter in den Dingen und Geschehnissen um mich herum und schließlich sogar in richtigen Ansprachen. – Nur für den Fall, dass Sie mich ob dieses Geständnisses für bekloppt halten, diese Sinnkrisen sind der Quell, aus dem Religionsstifter, Dichter und Denker ihre Weisheit schöpften. Deshalb lassen sich aus allen noch so unterschiedlich erscheinenden Erkenntnissen, wenn man die Lehren und Schriften richtig zu deuten weiß, am Ende sogar vielfältige Gemeinsamkeiten herausstellen.
Doch bevor wir zu den Grundwerten, dem Lebenssinn, dem Leidensprozess um das Erwachsen-Werden der Seele, dem Verlust beider Seelenteile, zu Mystik und Schamanentum sowie darüber hinaus natürlich zum Unterschied zwischen dem so genannten Burnout-Syndrom und der Totalausbrennung der Seele kommen, sei der Vollständigkeit willen noch das so genannte Boreout-Syndrom erwähnt, welches sich bei denjenigen findet, die sich permanent unterfordert fühlen. Auch diejenigen, die nichts zu tun haben, versinken mit der Zeit in eine depressive Grundstimmung und erreichen schließlich eine vergleichbar existenzielle Sinnkrise. Ihnen allen mag dieser kleine Aufsatz eine Hilfe sein, selbst wenn sie am Ende nicht mehr für sich in Erfahrung bringen können, als dass es in dem darauf folgenden Leben der Seele eine neue Chance auf ein erfolgreiches Bestehen von Lebensaufgaben geben wird.
Nun wird mit der Erwähnung eines „auf dieses Leben folgenden Lebens“ sofort abwehrendes Geschrei anheben. Die einen wollen ohnehin nichts von Gott oder Seele wissen. Denen ist sowieso nicht zu helfen – Tschüss! Und die anderen glauben, man lebe nur einmal, man sei im Übrigen von Gott besonders geliebt, weil man als Weißer, reich und gesund auf die Welt gekommen sei, während doch alle anderen (schon daran erkennbar) von Gott ungeliebt sein müssen. Doch mitnichten meine lieben Mitmenschen, denn so resümierte schon der (unverständlicherweise) dem Islam zugerechnete Lyriker Dschelaladdin Rumi zutreffend: „Bisweilen sind wir sichtbar, bisweilen verborgen, bisweilen Muslime, Christen oder Juden, wir durchlaufen viele Formen, bis unser Herz Zufluchtsstätte für alle wird.“ Das hat natürlich weder etwas mit der Lehre des Propheten Mohammed zu tun, der eine Rechtsordnung in die Welt setzte, die den Gläubigen ohne eigene Erkenntnisse aus dem jetzigen Leben heraus zu göttlicher Aufnahme verhelfen sollte, noch etwas mit irgendeiner anderen Religion. Doch sei’s drum! Dass im Übrigen in den christlichen Vorstellungen der Mensch nur einmal lebt (stellen Sie sich vor, das wäre wahr, wie grausam, wenn man rot-gelb-schwarz, arm oder krank ist), geht auf das 2. ökumenische Konzil zu Konstantinopel im Jahre 553 nach Christus zurück. Dort entschied ein Haufen seniler Tattergreise (die Kirche nennt sie Bischöfe), dass der Mensch nur einmal lebt, weil Jesus nur einmal am Kreuz gestorben sei. Dies ist natürlich eine sehr oberflächliche, rein körperliche und nicht eben intelligente Betrachtung. Denn schließlich weiß ein jeder, dass man einen Apfel auch nur ein einziges Mal essen kann. Denn erst verdaut, kann der Baum bestimmte Stoffe aus dem Kot in dem darauf folgenden Jahr wieder in einen Apfel einbauen, immer vorausgesetzt natürlich, man bringt seinen Dung zum Baum zurück. Bedeutet bezogen auf den Körper unseres lieben Heilands, dass der ebenso erst von Würmern hätte verdaut sein müssen, bevor er wieder als Mensch hätte auf die Welt kommen können. Dass dieser dann aber nicht mehr der uns bekannte Jesus hätte sein können, sowie der Apfel nicht noch einmal der gleiche Apfel sein kann, leuchtet auch ein, jedenfalls den meisten, nur eben nicht senilen alten Bischöfen.
Damit kommt nun die Seele ins Spiel. Beginnen wir mit der Geburt der Seele in den Körper einer Schwangeren: In der Auflösung der Abtreibung erfahren Frau oder Mann (auch Männer können sich selbstverständlich mit der Abtreibung auseinandersetzen), dass die Seele eines Menschen von Gott (einer Frau) geboren wird. Diese, von Gott geborene Seele, ist zudem unsterblich, es sei denn, sie würde von Gott zerstört oder in etwas anderes umgewandelt. Sie strebt im Übrigen deshalb zu Gott zurück, weil sie Teil der göttlichen Seele bleibt. Diese göttliche Abkunft ist denn auch der Grund, warum sich Menschen schon immer mit dem Lebenssinn beschäftigten oder sich Religionen ausdachten. Dies ist zudem der Grund, warum Menschen ohne Einsicht in den Lebenssinn unglücklich oder sogar depressiv werden. Darum dürfte einleuchten, warum Materielles einen tiefen Lebenssinn nicht ersetzen kann, ebenso wenig ein Engagement befriedigen kann, wenn sich damit nichts für die Seele bewegen lässt. Ohne Bewusstsein um Gott und Seele bleibt das Leben sinnentleert, ein so Lebender riskiert, zum Beispiel Opfer eines Burnout-Syndroms zu werden.
Wenn eine Seele im Übrigen so etwa um den fünften Monat herum geboren wird, verspürt die werdende Mutter ihren Nachwuchs erstmals als eigenständiges Lebewesen. Durch beispielsweise einen Fußtritt gegen die Bauchdecke gibt sich der kleine Neubürger aber nicht nur als eigener Körper, sondern eben auch als eigenständig beseeltes Wesen zu erkennen. Und mit dieser Seele dann hat der kleine Erdenbürger (wie wir alle selbstredend) – in einem natürlich unvergleichbaren und einzigartigen körperlichen Leben – die Erfahrungen zu sammeln, die ihn eines Tages dazu befähigen, durch Rückschau und Leiden um die Erfahrungen des Lebens (Buddha sprach von den leidvollen Erfahrungen), diese bis zur Weisheit für sich aufzuschließen.
Kommen wir damit zum Lebenssinn: Aus den Lebenswegen von Religionsstiftern sowie einiger herausragender Dichter und Denker lässt sich heraus lesen, dass der Mensch die ihm anvertraute Seele in einem Zyklus von Tod und Wiedergeburt zu vervollkommnen hat, um göttliche Aufnahme zu erfahren. Damit stellt sich das Leben als eine göttliche Prüfung der Seele dar, gerichtet auf letztendlich einen Leidensprozess. In diesem gilt es, für sich zu erfahren, ob göttliche Aufnahme nach diesem Leben gewiss sein wird. Dass hier im Übrigen Jesus als Vorbild wenig taugt, dürfte auch klar sein: Seine Botschaften waren altbekannte jüdische Weisheiten, gekleidet in neue Gleichnisse, dazu ein schneller Leidensweg ans Kreuz, zu kurz, um diesem noch Wesentliches zu entnehmen. Ohnehin kommt es ja für Weisheit nicht auf ein körperliches, sondern auf ein seelisches Leiden an.
Nun gehen mit solchen Leidensprozessen um verschiedenartige Schlüsselerlebnisse nicht nur vergleichbare, sondern auch voneinander abweichende Erkenntnisse einher. Deshalb fielen im Weiteren auch die Lehren der Religionsstifter unterschiedlich aus. Nachfolgend wurde zudem nicht begriffen, dass alle Erkenntnisse nur Teil eines göttlichen Belohnungs- und Bestrafungssystems sind. Anders dagegen Laotse, ein chinesischer Mystiker und Zeitgenosse Buddhas, der schon in verschiedene Stufen der mystischen Meisterschaft zu unterscheiden wusste. Dass Laotse trotz seiner philosophischen Ausrichtung teils zum Messias avancierte, lag an seinem profunden mystischen Wissen, dass er in unvergleichliche Spruchdichtung umzusetzen wusste.
Doch zurück zu unseren Lebenserinnerungen: Manche der Erlebnisse, insbesondere solche in Zusammenhang mit dem Tod, erfordern im Prozess eine Trennung der beiden Seelenteile, sofern die Seele nicht bereits in einem Erlebnis selbst getrennt wurde. Hierzu Goethe im Faust, zweiter Teil, Klassische Walpurgisnacht: „Sphinx: Sprich nur dich selbst aus, wird schon Rätsel sein.“ (Heißt: Dir fehlt Selbsterkenntnis!) „Versuch’ einmal dich innigst aufzulösen:“ (Sprich: Trenne beide Seelenteile!) Dem frommen Manne nötig wie dem bösen, dem ein Plastron“ (Brustharnisch), „asketisch zu rapieren“ (ein Seelenteil wird in einer Körper und Geist fordernden Weise aus der Brust herausgezogen), „Kumpan dem andern, Tolles zu vollführen“ (der andere Seelenteil wird ausbrennen), und beides nur, um Zeus zu amüsieren.“ Dass Goethe – ihm übrigens vielen Dank für „Das Märchen“ – dennoch keine Zweifel daran aufkommen ließ, dass er „Zeus“ hier nur als ein Teilaspekt des Göttlichen und Gott im Wesentlichen als Frau ansah, wird im Faust an vielen Stellen deutlich. Alles andere wäre zudem unlogisch, denn Gott ist bei Aufnahme der Seelensubstanz in den Schoß immer als Frau im Männerspagat erkennbar, wie hier im Übrigen als Logo auf der Website gezeigt. Wenn also Dichter oder Denker von der Alten grausen Schlund berichten, dann sind es solche Bilder, an die sie denken.
Nach einer Erholungs- und Aufarbeitungsphase folgt in einem späteren Schritt die bereits angesprochene Totalausbrennung des verbliebenen zweiten Seelenteils im Körper. Bis zur Wiedergeburt der Seele bleibt der Körper seelenlos, von Autoren umschrieben mit: ‚ohne Leben’, ‚gottlos’ oder ‚Gott ist tot’. Doch muss niemand einer Zeit ohne Seele verängstigt entgegensehen oder sich um sonstige Nachteile fürchten. Zu unser aller Beruhigung dichtete schon Hafis, ein ebenfalls völlig unsinnigerweise dem Islam (Wie soll ein Rätselmeister einem niederen Meister folgen?) zugerechneter Mystiker: „Bin ich lebend ohne Leben, mag es wunder Dich nicht nehmen. Denn wer würd’ der Trennung Stunden, rechnen zum Betrag des Lebens.“ Bedeutet mithin, dass die Tage und Wochen der Trennung von Körper und Seele am Ende sogar dem Leben hinzuaddiert werden. Nun möge aber niemand diese „Gottlosigkeit“ zu Taten missbrauchen, für die er sich – als Mensch – oder aber seine wiedergeborene Seele – vor Gott – dann doch wiederum zu verantworten hätte!
Übrigens führt der andere der beiden alten Wege, dieser jedoch auf Heil- und Weltwissen statt auf Selbsterkenntnis und Göttliche Erkenntnis gerichtet, zum Schamanentum. Vor dem geistigen Auge hingestreckt, ist nämlich das Geschlecht des von Gott aus der Brust herausgezogenen, toten Seelenkörpers zu bestimmen. Von diesem so genannten Seelenentscheid (Nietzsche nannte ihn den „Torweg Namens Augenblick“) hängt in der Folge dann der gesamte weitere (Lebens- und Leidens-) Weg ab. Da es nicht jeder in die Irre gelaufene Schamane noch schafft, im Rahmen einer erneuten Initiation auf die mystische Seite zu wechseln, wie es noch Goethe, Hesse oder Nietzsche gelang, bedeutet dies den Verbleib in der Sackgasse Schamanentum. Der Leidende muss sich folglich in einem späteren Leben noch einmal um göttliche Aufnahme bemühen, sofern ihn der schamanische Weg nicht zu sehr in die Irre führte. Damit Ihnen im Übrigen ein solch schwerwiegender Fehler in der wichtigsten Prüfung Ihrer Seele nicht widerfährt, sei Ihnen das auf dieser Website angebotene Buch „Die Reise in die Seele“ anempfohlen. Selbstverständlich können Goethes „Faust“, Nietzsches „Also sprach Zarathustra“ oder auch Hesses „Der Steppenwolf“ (letzteres endet wohl mit der Sackgasse) ebenfalls Verwendung finden.
Kommen wir in Anbetracht der Ausführungen zum zweiten Weg noch einmal auf Jesus zurück, der im Angesicht des nahen Todes die Flucht in das Schamanentum antrat. Wenn nämlich die Freiseele des Schamanen reist, erhält die Vitalseele den Körper minimal am Leben. So erscheint der Mensch, obwohl noch lebend, für einen „Uneingeweihten“ dann wie tot, bis seine Seele den Weg zurück in den Körper findet. Das ist übrigens keinesfalls absurd, sondern tägliches Brot der Schamanen, mit den Geistern gefahrvolle Reisen (bis hin zum sinnlosen Untergang der Seele) zu unternehmen. Wenn im Übrigen die Kirche, trotz der frühen Einsicht um das Schamanentum des Jesus (es gab nämlich genügend Mönche und Nonnen, die Jesus nachfolgten), Lug und Betrug um die Wiederauferstehung von den Toten nicht aus der Welt nahm, so allein um ihres Erhaltes willen.
Was lernen wir nun daraus? Zunächst sollte ein jeder Schöpfer seiner eigenen Religion werden. Ohnehin führt kein Weg an der Entwicklung der Seele zum seelisch Erwachsenen vorbei, will göttliche Aufnahme erreicht werden. Da mag es zwar sein, dass mancher nicht mehr als Mohammed und damit einen göttlichen Richtspruch um die Aufnahme der Seele erfährt. Doch manch anderer wird mit geschöpfter Weisheit noch bewegen können, was er selbst nicht (mehr) für möglich hielt. Dass am Ende natürlich derjenige glücklicher sein wird, der im Leben ein Füreinander-Einstehen, das Beachten vielfältiger Lebenszyklen sowie ein Denken in Kreisläufen der Natur verinnerlichte, als derjenige, der nur mordete und zerstörte, bedarf sicher keiner besonderen Erwähnung. Selbstredend wohl auch, dass ein Mensch mit der Alten im Herzen kein Burnout-Syndrom erleiden wird. Das bedeutet zwar dann weiter Abschied nehmen von beliebten religiösen Veranstaltungen, wie von Passahfest, Ramadan und Fastenzeit, von Ostern, Pfingsten und von Weihnachten, doch sollte Ihnen ein Leben ohne Lüge und Selbstbetrug mehr wert sein, als diese Kacke. Einem Heiden wie mir jedenfalls sind solche Feste ohnehin nur Karneval. Heilig aber bleibt mir Weiberfastnacht.